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Humanistische Haltung

Sabriye Tenberken erhielt Marburger Leuchtfeuer


26.04.2009 - fjh

Foto: Preisübergabe
Oberbürgermeister Egon Vaupel und Jury-Sprecher Matthias Schulz überreichten Sabriye Tenberken das Marburger Leuchtfeuer 2009. (Foto: Jürgen Neitzel)
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"Auch wenn er nicht behindert ist, ist er trotzdem ein glücklicher Mensch." Heiterkeit erntete Sabriye Tenberken für diese Charakterisierung ihres Lebensgefährten und Mitstreiters Paul Kronenberg. Im Historischen Saal des Marburger Rathauses überreichte Oberbürgermeister Egon Vaupel der 38-jährigen Tibetologin am Sonntag (26. April) das Marburger Leuchtfeuer für Soziale Bürgerrechte.
Mit dieser undotierten Auszeichnung würdigten die Stadt Marburg und die Humanistische Union (HU) das internationale Wirken der blinden Pädagogin für ein gleichberechtigtes Leben von Menschen mit Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft. Durch die Gründung der ersten Blindenschule Tibets in Lhasa habe sie nicht nur den diskriminiertesten Kindern und Jugendlichen Tibets eine Perspektive eröffnet, sondern zugleich auch Behinderten in Europa ein Vorbild gegeben, erklärte Matthias Schulz als Sprecher der Jury.
Tenberken selbst betrachtet ihre Tätigkeit als eine sehr befriedigende Aufgabe. "Blind zu sein, kann ungeheuer Spaß machen", erklärte sie. Durch ihre Behinderung komme sie in Kontakt zu interessanten Menschen, die sie sonst niemals kennengelernt hätte.
"Frriedfertig ist", zitierte Laudator Dieter Gutschick den Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker, "wer Frieden um sich entstehen lassen kann. Das ist eine Kraft, eine der größten Kräfte des Menschen. Ihr krankhaftes Verkümmern – fast stets bedingt durch mangelnden Frieden mit sich selbst – ist die Friedlosigkeit."
Tenberken sei "ein Leuchtfeuer des Friedens", weil sie ihren Mitmenschen ein fast uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringe, erklärte der scheidende Geschäftsführer der Aktion Mensch (AM). Diese Haltung sei geprägt von einem humanistischen Menschenbild, das den Respekt vor dem Mitmenschen in seinen Mittelpunkt rücke.
An seine Zeit in der Humanistischen Studenten-Union (HSU) erinnerte sich Gutschick als eine Folge seines vorherigen Aufenthalts inGhana. Mitte der 60er Jahre sei der HU-Mitbegründer Fritz Bauer sein Vorbild gewesen, dem Deutschland den Auschwitz-Prozess verdankt. Gerade wegen dieser humanistischen Haltung sei er als 68er aber keine Beute von Ideologen geworden, betonte Gutschick erleichtert.
Erfreut äußerte sich der AM-Geschäftsführer darüber, dass der HU-Ortsverband Marburg seinen Preis den Sozialen Bürgerrechten gewidmet hat. Mit Sabriye Tenberken habe die Jury zudem eine wirklich herausragende Preisträgerin ausgewählt.
Für die blinde Tibetologin ist das "Marburger Leuchtfeuer" bei weitem nicht die erste Auszeichnung. Dieser Preis liege ihr aber besonders am Herzen, erklärte sie in ihrer Dankesrede: "Marburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland."
1992 hat die gebürtige Bonnerin an der Carl-Strehl-Schule (CSS) der Deutschen Blindenstudienanstalt (BliStA) ihr Abitur abgelegt. Für sie sei diese Zeit in Marburg die unbeschwerteste ihres Lebens gewesen, erklärte sie. Hier sei sie als Persönlichkeit respektiert sowie zu Selbstbestimmung und Eigenständigkeit angeleitet worden.
Gerade diese soziale Tradition Marburgs betonte auch Oberbürgermeister Vaupel. Der Stadt gehe es wirtschaftlich gut. Die Einwohnerzahl sei in den letzten Jahren von 78.000 auf über 81.000 gestiegen. Diese Entwicklung führte der OB auch auf das soziale Klima zurück, das Marburg auch für Investoren attraktiv mache.
Nach der Preisverleihung machten sich Tenberken und Kronenberg auf den Weg nach Kerala in Indien. Dort bauen die beiden derzeit ein Ausbildungszentrum für blinde Sozial-Manager auf.
Ziel dieser neuen Ausbildung sei, möglichst viele Menschen zu Multiplikatoren einer selbstbestimmten sozialen Entwicklung zu machen. Das Modell für diese Konzeption verdanke sie der BliStA, die durch das Leuchtfeuer somit ebenfalls geehrt werde, erklärte die Preisträgerin zum Abschluss untr langanhaltendem Beifall der fast 100 Anwesenden.


Franz-Josef Hanke - 26.04.2009



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